Seit April 2026 dürfen Tankstellen die Preise nur noch einmal täglich erhöhen. Doch tausende Verstöße und unerwartete Nebenwirkungen zeigen: Die Realität ist komplizierter als gedacht.

Bis Ende März 2026 änderten sich die Spritpreise an einer durchschnittlichen deutschen Tankstelle bis zu 22 Mal am Tag. Für Verbraucher war es nahezu unmöglich, den günstigsten Zeitpunkt zum Tanken zu treffen. Seit dem 1. April gilt deshalb die sogenannte 12-Uhr-Regel: Tankstellen dürfen die Preise für Benzin und Diesel nur noch einmal täglich erhöhen – um Punkt 12 Uhr mittags. Preissenkungen bleiben jederzeit erlaubt.
Das neue Muster ist eindeutig: Kurz vor 12 Uhr sind die Preise am niedrigsten, weil die Stationen seit dem Vortag nur noch gesenkt haben. Um 12 Uhr erfolgt dann ein sprunghafter Anstieg – bei Super E10 im Schnitt um gut 9 Cent pro Liter, bei Diesel sogar um 10,5 Cent. Im Laufe des Nachmittags fallen die Preise wieder, weil die Konkurrenz unterbietet.
Der beste Tankzeitpunkt liegt laut Experten zwischen 11 und 12 Uhr vormittags – hier liegen die Preise rund 2,7 Cent unter dem Tagesdurchschnitt. Wer vormittags nicht tanken kann, findet ab etwa 17 Uhr ebenfalls moderate Preise.
Die Bilanz der Regeltreue ist ernüchternd. Eine Datenanalyse des SWR Data Lab deckte allein in den ersten drei Aprilwochen rund 60.000 mutmaßlich illegale Preiserhöhungen an etwa 3.800 Standorten auf. Zwischen Ende April und Anfang Mai registrierte das Bundeskartellamt zudem 2.390 Fälle von Preiserhöhungen nach 12:30 Uhr an 777 Tankstellen – mit einer durchschnittlichen illegalen Erhöhung von 7,7 Cent pro Liter.
Besonders auffällig: Eine große Marke verzeichnete an 302 Stationen insgesamt 2.772 Verstöße im Untersuchungszeitraum. Das neue Gesetz sieht bei Zuwiderhandlung Bußgelder von bis zu 100.000 Euro vor. Erste Verfahren sind eingeleitet.
Die 12-Uhr-Regel hat den Spritmarkt in Deutschland spürbar verändert. Für informierte Verbraucher, die ihre Tankstopps planen, ist sie eindeutig ein Vorteil. Doch die massenhafte Missachtung durch Tankstellenbetreiber zeigt, dass die Durchsetzung noch Nachholbedarf hat. Solange nicht konsequent sanktioniert wird, bleibt die Regel ein zahnloser Tiger für alle, die sich nicht daran halten.
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