Autogas kostet nur die Hälfte von Benzin – aber lohnt die Umrüstung auf LPG wirklich? Wir rechnen mit aktuellen Preisen, Kosten und Reichweite.

Während die Debatte um Elektromobilität die Schlagzeilen dominiert, führt Autogas (LPG – Liquefied Petroleum Gas) ein Schattendasein. Dabei ist LPG mit einem Literpreis von aktuell rund 0,70 bis 0,85 € der mit Abstand günstigste Kraftstoff an deutschen Tankstellen. In Deutschland sind rund 360.000 Fahrzeuge mit LPG-Antrieb zugelassen, und das Tankstellennetz umfasst über 6.000 Standorte [1].
Doch wie sieht die Rechnung 2026 konkret aus? Lohnt sich die Umrüstung eines Benziners auf Autogasbetrieb, oder ist der Zug abgefahren?
LPG ist ein Gemisch aus Propan und Butan, das als Nebenprodukt bei der Erdöl- und Erdgasförderung anfällt. Es wird unter geringem Druck (5–10 bar) flüssig in einem speziellen Tank gespeichert. Die meisten umgerüsteten Fahrzeuge fahren bivalent – sie können sowohl mit Benzin als auch mit LPG betrieben werden. Per Knopfdruck wechseln Sie zwischen den Kraftstoffen.
Technisch wird beim häufigsten System (Prins, Landi Renzo oder STAG) das Gas in flüssiger Form über spezielle Einspritzdüsen dem Motor zugeführt. Der Ottomotor bleibt unverändert – die LPG-Anlage ist ein Zusatzsystem [2].
Der zentrale Vorteil von LPG ist der Preis. Allerdings hat Autogas einen niedrigeren Energiegehalt als Benzin, weshalb der Verbrauch höher liegt:
Der Mehrverbrauch von rund 20–25 % gegenüber Benzin wird durch den um mehr als 50 % niedrigeren Literpreis deutlich überkompensiert. Bei einer Jahresfahrleistung von 20.000 km ergibt das eine Ersparnis von 1.144 € pro Jahr allein bei den Kraftstoffkosten.
Die Umrüstung eines Benziners auf LPG kostet je nach Fahrzeug und Zylinderzahl [3]:
Hinzu kommt eine TÜV-Abnahme (ca. 100 €) und die Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Bei einer jährlichen Ersparnis von 1.144 € amortisiert sich eine typische 4-Zylinder-Umrüstung (2.200 €) nach knapp zwei Jahren.
Autogas profitiert in Deutschland von einer reduzierten Energiesteuer. Während Benzin mit 65,45 Cent/Liter besteuert wird, liegt die Steuer für LPG bei nur 18,03 Cent/Liter (ab 2024 stufenweise steigend). Die vollständige Angleichung an den regulären Steuersatz ist aktuell für 2028 vorgesehen [4].
Das bedeutet: Wer jetzt umrüstet, profitiert noch mindestens zwei Jahre vom deutlich günstigeren Steuersatz. Selbst nach einer schrittweisen Erhöhung bleibt LPG voraussichtlich günstiger als Benzin.
Die Umrüstung lohnt sich besonders für:
Weniger sinnvoll ist die Umrüstung bei Kurzstreckenfahrern unter 10.000 km/Jahr, bei Fahrzeugen mit Direkteinspritzung (technisch aufwendiger) oder wenn ein Fahrzeugwechsel innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant ist.
Autogas ist 2026 weiterhin eine der günstigsten Möglichkeiten, ein Fahrzeug zu betreiben. Wer einen Benziner fährt, viel unterwegs ist und sein Auto noch einige Jahre behalten möchte, kann mit einer LPG-Umrüstung über 1.000 € pro Jahr sparen. Die Infrastruktur ist vorhanden, die Technik ausgereift und der Steuervorteil besteht noch bis mindestens 2028.
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